Nicole Stadelmann und Franz Mattmann trennen über 70 Jahre. Am Musiktag stehen beide als Helfer im Einsatz. Mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen.
70 Jahre. So lange spielt Franz Mattmann bereits in der Feldmusik Eschenbach. Und praktisch gleich viele Jahre trennen den 89-Jährigen von Nicole Stadelmann. Die 18-Jährige ist seit einem Jahr in der Feldmusik und weiss nur Gutes über den baldigen Eidgenössischen Ehrenveteranen zu sagen. «Franz kennen alle im Dorf. Er spielt immer noch fleissig mit. Wir sind froh, dass er dabei ist.» Sie sei beeindruckt, dass jemand über eine derart lange Zeit seinem Hobby treu bleibe.
In seiner langjährigen Karriere hat Mattmann insgesamt acht Dirigenten erlebt und dreimal das Instrument gewechselt: Von der Klarinette zum Altsaxofon, danach zum Baritonsaxofon und wieder zurück zum Altsaxofon. «Die ersten Klarinettengriffe brachte mir der Bauer nebenan bei.» Wie Mattmann bis heute die Kraft und den Willen für all die Proben und Auftritte findet, kann er in einem Satz erklären. «Mir macht das Musizieren riesengrossen Spass.»
Spass an der Musik hat auch Nicole Stadelmann. Die Eschenbacherin ist bereits ein Wochenende vor dem Musiktag vom 2. Juni im Einsatz. Am Jugendmusikfest tritt sie mit dem Jugendblasorchester in der Kategorie Harmonie Höchststufe an. «Darauf freue ich mich besonders.» Auch deshalb, weil sie am Musiktag nicht ihre Querflöte, sondern Serviertabletts und leere Instrumentenkoffer in den Händen halten wird. «Ich werde im Festzelt und beim Instrumentendepot arbeiten», sagt Stadelmann. Sie nimmt zum ersten Mal an einem Musiktag teil.
Franz Mattmann ist von den musikalischen Qualitäten Stadelmanns angetan. «Ihr Solo an der vergangenen Frühlingsmatinee war grosse Klasse.» Allgemein sei es erfreulich, dass so viele Junge in der Feldmusik mitspielen würden. «Der Nachwuchs ist enorm wichtig für uns.»
Als Mattmann 1948 dem Verein beitrat, sah dies noch etwas anders aus. «Es spielten nebst mir zwar auch ein paar junge Mitglieder mit. Häufig traten diese aber schon nach wenigen Jahren wieder aus.» Über die Gründe kann der Saxofonist nur spekulieren. «Vielleicht hatten sie die Ausdauer oder den Willen nicht.» Oder es lag an den damaligen Dirigenten. Mattmann erinnert sich, dass die Bassisten auch schon als «Güllenpumpen» bezeichnet wurden. «Das war natürlich nicht förderlich für die Motivation.»
Manche Veränderungen empfindet der rüstige Musiker nicht nur positiv. «Der Stil hat sich stark verändert.» Früher sei die Musik viel volkstümlicher orientiert gewesen. Zwar würden auch heute noch zahlreiche Märsche und Polkas gespielt. «Man spürt aber, dass diese Art Musik zum Teil nur noch ungern ins Repertoire aufgenommen wird», sagt Mattmann. Für Stadelmann ist der traditionelle Stil keine unangenehme Pflicht. «Ich mag ältere Musik.» Dass an Konzerten inzwischen häufig Unterhaltungsnummern gespielt werden, findet sie aber trotzdem gut. «Es können auch zu viele Märsche sein.»
Dass Stadelmann als Frau bei der Feldmusik mitspielen kann, war nicht immer selbstverständlich. «Das erste weibliche Mitglied trat dem Verein 1975 bei», erzählt Franz Mattmann. Die zweite Frau war seine Tochter. Die Musikerinnen seien von Anfang an gut aufgenommen worden. «Das war auch nötig. Schliesslich hatten wir fast keine Flötenspieler.» Inzwischen habe man fast ein gegenteiliges Problem. «Wir müssen schauen, dass genügend Musiker mit grossen Instrumenten dabei sind. Und die werden fast ausschliesslich von Männern gespielt.»
Wer länger mit Franz Mattmann spricht, stellt schnell fest, dass er sich immer noch kein Leben ohne Musik vorstellen kann. «Sonst wäre ich nicht mehr bei Eschba-Klänge.» Diese Kleinformation hat Mattmann vor 15 Jahren zusammen mit zwei Kollegen aus Root gegründet. Im Januar absolvierte das Trio den 2000. Auftritt. Damit noch weitere folgen können, muss Mattmann im August unters Messer. «Der graue Star macht mir seit einiger Zeit zu schaffen. Ich habe Mühe mit Noten lesen.»
Zuerst will er aber seine Ehrung als Eidgenössischer Ehrenveteran geniessen. «Es ist schon sehr speziell, dass dies im eigenen Dorf stattfindet.» Wie Nicole Stadelmann wird auch Mattmann am Fest mithelfen. «Wenn es Arbeit gibt, ist Franz immer zur Stelle», sagt Stadelmann.
Während sie den ersten Musiktag erlebt, ist es für Mattmann bereits der zweite in Eschenbach. Er mag sich jedoch nicht gerne an 1957 erinnern. «Es hat die ganze Zeit geregnet und am Schluss standen wir vor einem finanziellen Fiasko.» Mit der diesjährigen Ausgabe sei das aber nicht zu vergleichen. «Die Organisation ist heute viel besser.»
